Beim Blättern durch Möbelzeitschriften fällt seit einigen Jahren das gehäufte Auftreten von Shabby Chic Elementen auf. Ein neuer Trend, der doch nur wieder das Alte heraufbeschwört? Ja und nein, denn Shabby Chic heißt natürlich die Wiederbelebung klassischer Epochen der Moderne, heißt aber auch die zeitgliche Installation von gegenwärtigem Stil. Das alles dann im gebrauchten abgenutzen Zustand. Ein Zuhause wird durch Shabby Chic zur ganz besonderen Unterkunft, mit Charakter und Ausdruck. Dazu gleich mehr.
Bevor man sich zu einem Kauf entschließt oder auch nur darüber nachdenkt, sich solche Möbel ins Haus zu stellen, sollte man die leider bestehenden Gefahren im Zusammenhang mit diesen Stücken kennen. Ich meine hier nicht die besondere Präsenz von Shabby Chic, die immer auch zu einer Unterdrückung und Überlagerung anderer Einrichtungsgegenstände führen kann. Darüber wird noch zu reden sein. Vielmehr muss man sich darüber im Klaren sein, dass Vintage und Shabby Chic natürlich gut und gern und überall auch gefälscht wird. Laien sind kaum in der Lage, wahrscheinlich noch weniger als bei den Hitler-Tagebüchern oder dem gefälschten Picasso, ein echtes von einem falschen Vintage Stück zu unterscheiden. Fälschungen werden schließlich immer besser und gerade in den üblicherweise verdächtigen Ländern wie China oder Vietnam wird jede Menge vorgebliches Vintage produziert, welches der Käufer in Deutschland kaum zu erkennen vermag. Auch haben Hersteller früher ihre Möbel nur selten gekennzeichnet, was die Erkennung von Plagiaten noch komplizierter macht. Deshalb gilt gleich vorneweg: Information und Beratung sind alles! Der Fachhändler wird garantiert Auskunft geben und bei allzu billigen Angeboten im Internet oder auf dem Wochenmarkt ist Vorsicht geboten. Niemand wird ein Original aus der Epoche des Jugendstils verschleudern, schon die originalgetreuen Nachbauten etwa der berühmten Bauhauslampe kosten nicht wenig. Deshalb gilt: Vergleichen lohnt sich, ein Gespräch mit den Fachmann noch viel mehr.
Wo bekomme ich echte Vintage Möbel? Wo Shabby Chic?
Aufgrund der zahllosen Kopien und Fälschungen ist es gar nicht so leicht, überhaupt an echtes Vintage zu geraten. Darüber hinaus kaufen neureiche Angeber gezielt diese Möbel auf, nicht etwa, um sich damit einzurichten, sondern um später einmal daran zu verdienen! Niemand weiß, was für Schätze an Möbeln in irgendwelchen russischen, chinesischen oder arabischen Lagerhallen gut verpackt und geschützt herumstehen, völlig entfremdet ihrer eigentlichen Bestimmung und das nur, um die Verherrlichung des Mammon und die Angeberei der Besitzer zu befeuern. Klar ist das lächerlich und wer schon mal in Russland war, der weiß auch warum. Dort geht es um Name, Marke, Bekanntheitsgrad, weder um Qualität noch um Ästhetik und um Schönheit schon gar nicht! Aber was soll man machen? Das sind die Gesetze des freien Marktes. Und an alle, die noch hoffen, auf dem Flohmarkt fündig zu werden: Vergesst es! Vielleicht findet man noch eine verrostete Lampe (die sich freilich neu streichen lässt), aber einen schon wurmstichigen Stuhl, vielmehr dürfte kaum noch zu finden sein. Da viele Trödler natürlich bei Wohnungsauflösungen dabei sind und sich zudem mit aktuellen Trends gut auskennen, werden sie kaum begehrte Möbelstücke für ein paar Euro weitergeben. Aber es soll ja noch Wunder geben, nicht wahr?
Alle, die eher wenig Geld und auch keine Zeit haben, um monatelang alle Trödelmärkte zu durchstöbern, bleiben zum einen die großen Möbelhäuser. Die haben den Trend auch erkannt und bieten Vintage und Shabby Chic als Billig-Variante an. Das ist nicht per se schlecht, sondern im Gegenteil sehr preiswert und überzeugt oft auch optisch. Allein die Qualität ist nicht die Beste, da können uns Ikea und all die anderen Big-Seller sonst was erzählen! Kein Unternehmen dieser Größe wäre profitabel, wenn es nicht irgendwelche Leichen im Keller hätte. Da Kinderarbeit und dergleichen nunmehr immer schwieriger werden, müssen Kosten natürlich am Material und an der Verarbeitung eingespart werden. Und wer die Ikea Sachen kennt, der weiß auch, was ich meine: Da passen Schrauben mal wieder nicht oder fehlen, da sind Löcher nicht vorgebohrt und die Verkleidung beziehungsweise das eigentliche Fertigungsmaterial ist in der Regel nicht sonderlich hochwertig. Die Kunden wollen nun mal günstige Preise und trotzdem Vintage, also wird auf alt getrimmt, was ultramodernsten Möbelfabriken entspringt. Aber gut, man kann es versuchen und wird, ein bißchen Geschmack und Umsicht vorausgesetzt, auch mit den Möbeln aus dem Großmarkt etwas anfangen können.
Die beste Wahl ist meiner Meinung nach jedoch immer noch das kleinere Fachgeschäft. Die Preise sind dort natürlich nicht hammermegasupergeilgünstig, aber dafür bekommen Kunden garantiert echte Ware, eine vorzügliche Beratung und können sich über die echten und wertvollen Trends informieren. So haben etwa viele Designer begonnen, den Vintage sowie auch den Shabby Chic Stil aufzugreifen und produzieren wunderbare Möbelstücke. Diese wird man selbstredend kaum im Möbelhaus finden, dafür braucht es Spezialisten – oder das Internet. Aufgrund der bereits beschriebenen Gefahren ist der jedoch Betrug jederzeit möglich und so empfiehlt es sich, ein Fachgeschäft zumindest einmal aufzusuchen.
Shabby Chic ist dagegen deutlich einfacher zu organisieren. Beim Shabby Chic entscheidet der Geschmack allein. Ob Shabby Chic künstlich oder natürlich entstanden ist, kann einem egal sein! Daher gilt: Selber machen, oder auf dem Flohmarkt suchen oder Online kaufen.
Einrichten im Shabby Chic und im Vintage Stil
Aber ist das Einrichten denn überhaupt so einfach? Ja und nein möchte ich behaupten, denn zum einen erlauben Vintage Möbel eine Menge: Sie können umlackiert, knallig bezogen oder auch mittig im Raum positioniert werden. Ihr Charakter ist schließlich ein ganz besonderer und sie wurden einst auch zur Repräsentation entworfen. Kein Vergleich mit den allein am Zweck orientierten Massenprodukten der Gegenwart, die nur aufbewahren oder eben als Sitz- und Schlafgelegenheit dienen sollen. Wer ein Jugendstil-Sofa hat, egal ob als Original oder als intelligente Neuschöpfung, der weiß um diese Aura, um diesen Nimbus, der solche Stücke umgibt. Und genau das ist beim Einrichten auch wieder das Problem: Gerade weil die Möbel so präsent wirken, können sie ein Zimmer schnell zum Museum machen und quasi die Herrschaft über alles andere, was sich noch so in ihrer Nähe befindet, erlangen. Deshalb ist es sehr wichtig, solchen Möbeln immer Raum zu geben, sie durchaus wirken zu lassen und keineswegs in die hinterste Ecke zu verbannen. Vintage braucht Platz, es will gesehen werden und gern auch bestaunt. Das ist völlig in Ordnung, kann aber eben in mancher Wohnung zum Problem werden. Allerdings werten diese Möbel auch ungemein auf und selbst eine Neubauwohnung im Block kann, richtig gestaltet und im Inneren zusammenpassend, ein echter Kunstwerk sein! Man muss in der Platte nicht wie im Katalog von Roller leben, mit ein bißchen Verstand und Geschmack lässt sich gerade über den Vintage Stil sehr viel machen.
Zudem sollte das Zusammenspiel mit anderem Interieur genau bedacht werden, schließlich passen etwa Hölzer ähnlicher Natur besser zusammen als Mahagoni und Spanplatte. Aber jeder entscheidet selbst und wenn man sich nicht klar wird, hilft auch an dieser Stelle der Fachhändler weiter, der sicher über Tipps und Tricks für die richtige Einrichtung im Shabby Chic Stil Auskunft geben kann.
Immer wenn ich auf über die Trödelmärkte schlendere, fallen mir Leute auf, die auf der Suche nach Schnäppchen sind. Ich frage mich dann immer, ob es diese Schnäppchen auf solchen Veranstaltungen überhaupt geben kann, schließlich wird doch in der Regel sowieso nur altes und gebrauchtes Zeug angeboten. Aber richtig, es gibt dann eben diese alten Bücher, die heute zwar neu gedruckt, aber oft gekürzt oder schlecht übersetzt erscheinen. Klassiker sind manchmal zu haben und ich werde niemals das strahlende Gesicht meines alten Philosophieprofessors vergessen, der mir mit voller Begeisterung berichtete, er hätte unmittelbar nach der Wende die vollständige Marx und Engels-Werksausgabe für wenige Mark ergattert.
Wer sich für Möbel